…und der Schlafmohn erwacht.
Mohnfeld bei Sonnenaufgang

AMOBILA - Forschung an Arzneipflanzen

Im Verbundvorhaben AMOBILA „Arzneipflanzenanbau als Instrument einer modernen, ertragsorientierten und zugleich biodiversitätsfördernden Landwirtschaft“ wird erforscht wie sich die Erträge beim Anbau dieser Sonderkulturen durch den Einsatz und die Förderung bestimmter Blütenbesucher steigern und sich die Biodiversität in den Agrarökosystemen fördern lassen. Die Optimierung von Produktionsverfahren und die Umsetzung umfangreicher Wissenstransfermaßnahmen stellen dabei einen weiteren Schwerpunkt dar.

Vorhabenstruktur

Das Verbundvorhaben gliedert sich in vier Teilvorhaben:

Teilvorhaben 1: Tierökologische Untersuchungen an ausgewählten Arznei-, Gewürz- und Aromapflanzen sowie Förderung des Arzneipflanzenanbaus und Steigerung der Erträge

Teilvorhaben 2: Erhöhung der Ökosystemleistungen im Praxisanbau von Arznei- und Gewürzpflanzen

Teilvorhaben 3: Kamille – Ertragsrelevanz sowie Identifizierung von Bestäubungswegen und -distanzen

Teilvorhaben 4: Wissenstransfermaßnahmen und Erarbeitung von Entscheidungshilfen

Die Flugtunnel warten auf Bepflanzung
Die Flugtunnel warten auf Bepflanzung © Johannes Siebigteroth

Hintergrund

Die Bestäubungsökologie der meisten Arznei- und Gewürzpflanzenarten stand bislang wenig im Fokus zurückliegender Forschungsaktivitäten. Es lagen nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen darüber vor, welche Insekten die einzelnen Arznei- und Gewürz-Pflanzenarten besuchen, welchen Anteil sie an deren Bestäubung haben und welchen Einfluss sie dadurch auf die Ertrags- und Qualitätsbildung ausüben. Auch zu den ökosystemaren Dienstleistungen, die von Arznei- und Gewürzpflanzenflächen in Agrarsystemen ausgehen, konnten bislang nur wenige Aussagen getroffen werden. Deshalb konnte der Nutzen dieser Sonderkulturen für die Agrarökosysteme weder beziffert noch gezielt in Vermarktungsstrategien eingebunden werden.

Mohnblüte im Flugtunnel. Einsatz von zwei Honigbienenvölkern in Kirchhainer-Kästchen zur Bestäubung.
Mohnblüte im Flugtunnel. Einsatz von zwei Honigbienenvölkern in Kirchhainer-Kästchen zur Bestäubung. © Dr. Andreé Hamm
Einsatz kleiner Hummelvölker zur Mohnbestäubung
Einsatz kleiner Hummelvölker zur Mohnbestäubung © Dr. Andreé Hamm

Voruntersuchungen

In vorangegangenen Untersuchungen wurden folgenden Bereiche bearbeitet:

  • Praxistaugliche Erfassungsmethoden wurden erarbeitet
  • Erstmalig wurden fundierte Daten zu blütenbesuchenden Insektenarten auf Fenchel, Lein, Bohnenkraut u.a. erhoben.
  • Die Ergebnisse belegen eine große Vielfalt an Blütenbesuchern und lassen Rückschlüsse auf deren Eignung als potentielle Bestäuber der Sonderkulturen zu.
  • Von den Arzneipflanzenflächen gehen starke Impulse für eine Diversifizierung der Landwirtschaft aus.
Leuchtturm zur Erfassung nachtaktiver Insekten im Mohn
Leuchtturm zur Erfassung nachtaktiver Insekten im Mohn © Lina Sofie Gawronski
Mittlerer Weinschwärmer, Deilephina elpenor, am Leuchtturm
Mittlerer Weinschwärmer, Deilephina elpenor, am Leuchtturm © Lina Sofie Gawronski
Honigbienen auf Anisblüte
Honigbienen auf Anisblüte © Hanna Blum

Ziele

Das Verbundvorhaben öffnet sich als Projekt für Kooperationspartner und Forschungsgruppen, weitet das Spektrum der zu untersuchenden Sonderkulturen aus und legt den Fokus verstärkt auf die Ertragsrelevanz blütenbesuchender Insekten und den Bereich der Transfermaßnahmen auf allen Ebenen der Wertschöpfungsketten. 

An die Untersuchungen zur Ertragsstabilisierung sind Optimierungsprozesse von Produktionsverfahren gekoppelt, während die Identifizierung von Bestäuberinsekten und Bestäubungswegen auch unter dem Aspekt der Züchtung und der Saatgutproduktion eine – wenn auch untergeordnete - Rolle z. b. beim Anbau von Anis und Kamille spielen. 

Untersuchungen zur Ertragsrelevanz von Blütenbesuchern an Kamille
Untersuchungen zur Ertragsrelevanz von Blütenbesuchern an Kamille © Dr. Lars Gernot
6.000 vorgezogene Sonnenhutpflanzen warten auf ihre Auspflanzung
6.000 vorgezogene Sonnenhutpflanzen warten auf ihre Auspflanzung © Dr. Andreé Hamm

Im Bereich Transfermaßnahmen steht für die Anbaupraxis und die Fach- und Naturschutzberatung die Wissensvermittlung zur strukturellen Förderung von Bestäuberinsekten im Vordergrund. Hinzu kommen erstmals die ökonomische und ökologische Bewertung des Anbaus ausgewählter Arzneipflanzen im Vergleich zu Alternativkulturen. 

Für politische Gremien werden Kennzahlen und Entscheidungshilfen bereitgestellt, die bei der Festsetzung förderpolitischer Rahmenbedingungen verwendet werden können.

Verarbeiter und Endverbraucher können sich mit Hilfe unterschiedlicher, anschaulicher Materialien über die verschiedenen blütenbesuchenden Insektenordnungen auf den Zielkulturen und deren Bedeutung für die Agrarökosysteme informieren.


AMOBILA - Untersuchungen im Teilvorhaben 1

  • Erfassungen blütenbesuchender Insekten auf den fünf Modellkulturen
  • Quantifizierung der floralen Ressourcen Pollen und Nektar
  • Gezielter Einsatz ausgewählter Insektenarten zur Bestäubung von Fenchel und Mohn in Flugtunneln >>> Ertragsrelevanz
  • Optimierung pflanzenbaulicher Maßnahmen beim Anbau von Mohn und Anis
  • Echte Kamille: Mit Hilfe molekularer Marker wird der Anteil der Fremdbefruchtung durch den Austausch von Pollen zwischen verschiedenen Kamillepopulationen in Abhängigkeit der räumlichen Distanz zueinander ermittelt.


Projektförderung

Logo der Bundesanstalt fuer Landwirtschaft und Ernährung
Bundesanstalt fuer Landwirtschaft und Ernährung © Bundesanstalt fuer Landwirtschaft und Ernährung
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe © Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Projektkoordination

Sofie Gawronski

Koordination des Verbundvorhabens Amobila

Auf dem Hügel 6

53121 Bonn

ProjektpartnerInnen


Koordination des gesamten Verbundvorhabens & Durchführung Teilvorhaben 1

Avatar Döring

Prof. Dr. Thomas Döring

Avatar Gawronski

Sofie Gawronski

Koordination des Verbundvorhabens Amobila


Teilvorhaben 2

Universität Bonn

Campus Klein-Altendorf

Avatar Pude

Prof. Dr. Ralf Pude

53359 Rheinbach


Teilvorhaben 3

•	Leibniz Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK)
• Leibniz Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) © • Leibniz Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK)

Leibniz Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK)

AG Quantitative Genetik, Abteilung Züchtungsforschung,

Dr. Lars-Gernot Otto, E-Mail: ottol@ipk-gatersleben.de

Corrensstraße 3,

D-06466 Seeland, OT Gatersleben,

Tel.: 039482-5-685,


Teilvorhaben 4

Fachhochschule Südwestfalen

Fachbereich Agrarwirtschaft, Professur für speziellen Pflanzenbau und nachhaltige Pflanzenbausysteme

Prof. Dr. Tanja Schäfer

Lübecker Ring 2

59494 Soest;

Kontakt: schaefer.tanja@fh-swf.de, Tel.: 02921-378 3228
 

Fachhochschule Südwestfalen
Fachhochschule Südwestfalen © Fachhochschule Südwestfalen

Firmen & Praxisbetriebe

  • Domäne Immichenhain, Ottrau, Hessen (ökologischer Ackerbau und Sonderkulturen)
  • Haus Sandfort, Olfen, NRW (Arzneipflanzenanbau, Anis Anbaubetriebe)
  • Fenchelanbaubetriebe der agrimed Hessen

Unterauftragnehmer: PHARMAPLANT Arznei- und Gewürzpflanzen Forschungs- und Saatzucht GmbH (PPA), Am Westbahnhof 4, 06556 Artern; Kontakt: Dr. Urs Fischer, Dr. Anna Kodisch, Tel.: 03466 3256-22, anna.kodisch@pharmaplant.de

PHARMAPLANT Arznei- und Gewürzpflanzen Forschungs- und Saatzucht GmbH
PHARMAPLANT Arznei- und Gewürzpflanzen Forschungs- und Saatzucht GmbH © PHARMAPLANT Arznei- und Gewürzpflanzen Forschungs- und Saatzucht GmbH

Vorläuferprojekt

Entwicklung eines Bestäubungsmenagements im Arzneipflanzenanbau zur Steigerung der Erträge und gleichzeitiger Erhöhung der Ökosystemleistungen. FKZ: 22001116 bzw. 16NR011


Weitere Projekte am Wiesengut

D3INST

Strategien zur Auswahl und Optimierung von multifunktionalen Mischungen aus feinkörnigen Leguminosen.

Leitbetriebe

Seit über 25 Jahren Praxis-Forschungserfahrung in Nordrhein-Westfalen.

Wide Synergies

Räumliche Diversifizierung von Anbausystemen zur Förderung der natürlichen Regulierung von Unkräutern, Krankheitserregern und Herbivoren.

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